Zahnspitzen beim Kaninchen

Das Kaninchen Francois, männlich kastriert, 4 Jahre wurde von seiner besorgten Besitzerin aufgrund schon seit vier Tagen bestehender Inappetenz vorgestellt. Das Tier zeigte bei der klinischen Untersuchung physiologische Parameter, die manuelle Simulation der Kieferbewegung lässt keine Stufenbildung der Zähne vermuten.

Nach Sedierung  wurden zwei Röntgenbilder im latero/lateralen Strahlengang angefertigt. Pathologische Verhältnisse in der Maulhöhle von Kaninchen lassen sich in 80% der Fälle röntgenologisch schlecht darstellen,  doch bei Francois ergab die bildgebende Diagnostik bereits deutliche Befunde (Hackenbildung am ersten Backenzahn im linken Oberkiefer und Spitzenbildung am letzten Backenzahn im rechten Unterkiefer). Die Exploration der Maulhöhle unter Zuhilfenahme eines Maulspreizers ergab eine massive Spitzenbildung im Unterkiefer am schon im Röntgen auffällig gewordenen Zahn, ebenso sah man von dieser Zahnspitze verursachte ausgedehnte Läsionen an der Unterseite der Zunge.

Die Spitze wurde mit einem Diamantbohrer entfernt und der betroffene Backenzahn geglättet. Dabei musste sehr vorsichtig vorsichtig vorgegangen werden, da sich in unmittelbarer Nachbarschaft ein stark durchbluteter Venenplexus befindet.Der erste Backenzahn im linken Oberkiefer war auffällig leicht zu bewegen, was den Verdacht einer durch Malokklusion bedingten Zahnfraktur erhärtete. Bei der darauf folgenden Extraktion mit einem Hebel und unter Zuhilfenahme eines Nadelhalters konnte festgestellt werden, dass tatsächlich eine Fraktur bestanden hatte. Das Kaninchen wurde nach dem Abschleifen und der Extraktion und da es auch die vorhergehenden Tage so schlecht gefressen hatte,  mit Schmerzmittel versorg.

Ebenso besprachen wir mit der Besitzerin die Wichtigkeit einer nagergerechten Fütterung mit ausreichend Strukturfutter (Heu guter Qualität), Saftfutter, Obst zum Benagen (ungespritzte Obstbäume, Rinden und Wurzeln). Körnerfutter und Knabberstangen sollten unter den Haltungsbedingungen dieses Kaninchens vermieden werden, da zu viel Energie nicht nur zu Verfettung, sondern auch zu einer verringerten Aufnahme von Raufutter und damit vermindertem Zahnabrieb führt.